„Wenn die Knoten unauflösbar scheinen, oder wenn der Faden reißt…“ Trauma und Gewalt im Kontext der stationären sozialtherapeutischen Behandlung

Ausgehend von der Annahme, dass wir es mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, die auf Grund ihrer psychosozialen Problemkonstellationen/ihrer bisherigen Lebens- und Beziehungserfahrungen mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen haben, sich selbst und die Welt zu denken und ihre Probleme eher agieren als reflektieren, soll in dem Seminar über Möglichkeiten, Grenzen und Chancen des Verstehens von und des Umgangs mit gewalttätigen Verhaltensweisen nachgedacht werden.

Gewaltpräventionsprogramme folgen in der Regel einem verhaltenstheoretischen Ansatz, der zur Einführung am Beispiel dreier bekannter Gewaltpräventionsprogramme dargestellt wird.
Im zweiten Schritt wird auf das Erleben des Kindes/des/der Jugendlichen aus psychoanalytisch-pädagogischer und traumapädagogischer Perspektive eingegangen. Zentrales Thema werden dabei traumaspezifische psychische Funktionsweisen sein, die verstanden werden müssen, damit an einer Stabilisierung im sozialpädagogischen Alltag gearbeitet werden kann. Behandelt wird die Schwierigkeit, Innen und Außen zur Deckung zu bringen, wenn Vieles nicht gedacht und damit gar nicht benannt und in der Folge nicht bearbeitet werden kann.

Im Anschluss daran wird es um die grundsätzlichen Aufgaben von SozialpädagogInnen gehen:

  • Strukturen vorgeben und halten, klar Stellung beziehen, ein transparentes, Halt gebendes Gegenüber sein (Hilfe bei der Selbst und Objektdifferenzierung),
  • den Jugendlichen verstehend begegnen, ihnen bzw. die Beziehung aushalten, eine haltende Umwelt bieten (Stabilisierung des Selbst),
  • die stete Bereitschaft zeigen, den Rahmen immer wieder neu zu diskutieren, zu verhandeln, was „denn hier eigentlich los ist“ und was man wechselseitig füreinander bedeuten mag (Entwickeln eines Übergangsraums in dem kreatives Leben möglich ist).

In diesem Zusammenhang werden die für den sozialpädagogischen Alltag relevanten „Basics“ einer psychoanalytisch orientierten Pädagogik dargelegt:

  • pathologische Formen der Abwehr,
  • Übertragung/Gegenübertragung – Verstrickung in pathologische Beziehungsformen,
  • Persönlichkeitsstruktur/Strukturelle Störungen,
  • Re-Inszenierung traumatisierender Beziehungsformen (Streeck-Fischer),
  • Containment (Bion),
  • Fördernder Dialog (Leber) und haltende Umwelt (Winnicott),
  • Mentalisierung (Fonagy & Target),
  • das Konzept der Virtualisierung (Müller & Körner),
  • Übergangsphänomene/Übergangsräume (Winnicott),
  • Wiedergutmachung statt Bestrafung (Winnicott),
  • das Austarieren einer Nähe-Distanz-Balance.

Zuletzt sollen Möglichkeiten der Integration der vorgestellten theoretischen Modelle in den sozialpädagogischen Alltag diskutiert werden d.h. es wird um Fragen des Settings und des Rahmens gehen. Damit sollen Strukturen gedacht werden, die Sicherheit geben (Alltagsstabilisierung) und für die Bewältigung und Bearbeitung gewalttätigen Verhaltens im sozialpädagogischen Alltag hilfreich sein können.

Mag.a Ursula Pav: Ausbildung: Kolleg für Sozialpädagogik in Wien/Freytaggasse 1996-1999, Studium der Pädagogik an der Uni Wien mit den Schwerpunkten Sozialpädagogik und Psychoanalytische Pädagogik bis 2008, derzeit: Doktorat in Psychoanalytischer Pädagogik. Berufliche Tätigkeit: Soziapädagogin an der Sozialtherapeutischen Abteilung für Jugendliche am NÖ Heilpädagogischen Zentrum Hinterbrühl (1999-2009), ab 2009: Erziehungsleitung an der Sozialtherapeutischen Abteilung (gesamt) ebendort

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