Die geschichtliche Entwicklung der Sozialpädagogik

Die Geschichte der sozialen Arbeit reicht zurück bis ins Mittelalter. Hier betrieben vor allem Klöster Hospitäler als zentrale soziale Institution für Alte, Kranke, Waisenkinder oder sonstige Bedürftige aus armen Gesellschaftsschichten.

Im 17. Jahrhundert änderte sich unter dem Einfluss protestantischer Ethik die Sichtweise auf Arbeit. Da diese nunmehr als Pflicht für jeden Menschen angesehen wurde, wurden Arbeitsfähige bestraft, wenn diese nicht arbeiteten. Das Armenhaus – auch Zuchthaus oder Korrektionsanstalt genannt – wurde zur zentralen „Fürsorgeanstalt“ der Zeit. Arme und BettlerInnen sollten hier zur Arbeit und zur „sittlichen Besserung“ gebracht werden.

Mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert und dem damit einhergehenden Massenelend wurden neue Antworten auf die „Soziale Frage“ gesucht. SozialistInnen entwickelten antikapitalistische Utopien und Gewerkschaften, die Kirchen den Caritas-Verband, das Bürgertum Wohltätigkeitsvereine und der Staat erste Sozialversicherungssysteme. Typische Sozialinstitutionen dieser Zeit waren die Anstalt und kommunal finanzierte Armenpflegesysteme.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die Soziale Arbeit zu professionalisieren,  erste Schulen mit Ausbildungen im Sozialbereich wurden gegründet. Sozialpädagogische Einrichtungen entstanden und an die Stelle der Anstalt trat in der staatlichen Jugendfürsorge das Heim als wichtigste Einrichtung.

Während des Nationalsozialismus wurde auch die Fürsorgeerziehung den Zielen der nationalsozialistischen Herrschaft untergeordnet und am Kindeswohl orientierte reformpädagogische Ansätze fanden ein jähes Ende. Dabei konnten die NationalsozialistInnen an pädagogische Diskussionen der Zwischenkriegszeit anknüpfen, die bereits ab den 20er-Jahren zwischen „erziehbaren“ und „nichterziehbaren“ Heimzöglingen unterschieden - für letztere forderten PädagogInnen Verwahrung an Stelle von Betreuung. „Sozial auffällige“ und oppositionelle Kinder und Jugendliche wurden nun - sofern sie nicht im Rahmen der Euthanasieprogramme als "endogen Asoziale" ermordet wurden - in den „Jugendkonzentrationslagen“ Uckermark (Mädchen) und Moringen (Jungen) interniert und der Gewalt der SS ausgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben staatliche und kirchliche Großheime bis in die 70er-Jahre die zentrale Institution sozialpädagogischer Arbeit. 68er-Aufbruch, Anti-Heim-Bewegungen und soziale Reformbestrebungen führten bis heute zur Auflösung der meisten Großheime, die durch Wohngemeinschaften und Krisenzentren ersetzt wurden.

In den letzten Jahren ist eine Ausweitung sozialpädagogischer Arbeitsfelder hin zu anderen gesellschaftlichen Bereichen bemerkbar. Sozialpädagogik beschränkt sich nichtmehr nur auf den Jugendwohlfahrtsbereich, sondern kommt in unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zum Einsatz.

Weiterführend: Monika Steinböck, MSc - Die Geschichte der Wiener Jugendwohlfahrt (PDF)

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